Ob gegen Ende des 10. Jahrhunderts, als der Legende nach der hl. Wolfgang durch unser Tal zog, schon Menschen hier gesiedelt haben, ist nicht nachweisbar.

Nach der Niederlage der Ungarn 1042 wurde Pitten Sitz einer Grafschaft. Sie hatte etwa die Ausdehnung der heutigen Bezirke Neunkirchen und Wr. Neustadt.. 1158 fiel das Gebiet an den Traungauer Otakar III., Markgraf der Steiermark. Sein Sohn, ab 1180 Herzog, starb 1192 kinderlos; er hatte sein Erbe dem verwandten Babenberger Leopold V., Herzog von Österreich, vermacht. Die Grafschaft Pitten blieb jedoch bis ins 15. Jh. Teil der Steiermark.

Schon im 12. Jh. werden die Burgen Feistritz, Kranichberg und Wartenstein erwähnt, alles Gründungen der Burggrafen von Pitten. Damals dürften bereits die ersten Siedlungen in unserem Tal entstanden sein, denn als 1216 ein Herr von Kranichberg eine Zelle für zwei Nonnen neben der Pfarrkirche St. Jakob errichtete, muss es schon einen Ort gegeben haben, dessen Name sich eben von dieser Kirche am Berg ableitet.

Diesem Kloster fehlte jedoch die wirtschaftliche Grundlage, so dass auf Bitten der Nonnen 1272 die Pfarre fünf Kapläne erhielt, was auf ihre Größe schließen lässt.

Das 15. Jahrhundert bescherte dem Ort harte Zeiten: Pest, Heuschreckenschwärme, Kriegswirren, Hungersnot. 1529 durchstreiften abgesplitterte Haufen des Türkenheeres unser Tal und legten Ort und Kloster in Schutt und Asche; 25 Jahre später wütete eine verheerende Seuche vor der die Nonnen samt einem  „Schulmeister“ nach St. Peter flüchteten.

Nach dem 30-jährigen Krieg stellte Kaiser Ferdinand III. 1656 dem Kloster eine Urkunde aus, in der er  die Rechte des Marktes neu bestätigte und ihm ein Wappen verlieh. Im Jahr danach begann der Neubau des Klosters in seiner heutigen Gestalt.

1713/14 raffte die Pest viele Ortsbewohner dahin; nach ihrem Erlöschen wurden die Mariensäule auf dem Hauptplatz sowie die Kapellen des Kalvarienberges errichtet. In dieses Jahrhundert fällt auch der Neubau der Pfarrkirche. 1782 wurde das Kloster – seit Jahrhunderten Augustiner Chorfrauenstift – von Kaiser Josef II. aufgehoben.

In den Kriegen gegen Napoleon blieb auch unser Ort nicht verschont. 1805 trieben französische Soldaten „manchen Mutwillen im Markte„, 1809 waren bei Kämpfen Tote und Verwundete zu beklagen, Häuser wurden beschädigt und geplündert, Bewohner grausam misshandelt.

Während im Ersten Weltkrieg im heutigen Österreich keine Kampfhandlungen statt fanden, rollte im Zweiten Weltkrieg die Front über unser Gebiet hinweg. Am 2. April 1945 besetzten sowjetische Soldaten Kirchberg; Ordnung und Recht wichen dem Chaos und der Gewalt. Etwa 200 Männer unserer Pfarre kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück.

Die Kirche als Namensgeber des Ortes

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Kirchberg von seiner schönsten Seite

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DIE PFARRKIRCHE ST. JAKOB

Geschichte

Von der 1216 erwähnten Kirche gibt es weder eine Beschreibung noch irgendwelche Funde. Wahrscheinlich bestand damals ein romanisches Kirchlein, das im 14. Jahrhundert einem gotischen Bau weichen musste. Diesen zeigt ein Stich von G. M. Vischer in seiner Topographie von 1672.

Bei der Außenrenovierung der Kirche 1978 bis 1981 wurden an der Südseite große Teile des gotischen Mauerwerkes mit spitzbogigen Tür- und Fensterleibungen freigelegt. Auch die Fundamente dieses Baues wurden gefunden. Die Kirche war damals wesentlich kleiner als heute.

Als 1752 Schäden am Turm auftraten, erwirkte die damalige Priorin des Klosters, Anna Jakobina von Steitz, die Erlaubnis zum Neubau der Kirche. Im März 1754 begann man mit dem Abbruch, am 16. Mai konnte der Grundstein gelegt werden. In kürzester Zeit wurde der Bau errichtet, fast nur durch Eigenleistung der Klosteruntertanen und der Bevölkerung; lediglich ein „Maurer Ballier“ leitete die Arbeiten. Schon im November 1755 wurde erstmals hier Gottesdienst gefeiert, obwohl Baumängel zum Einsturz des Chorgewölbes geführt hatten und noch keine Einrichtung vorhanden war. Diese wurde in den folgenden 40 Jahren nach und nach angeschafft. Am 13. Juli 1794 erfolgte die Einweihung durch  Kardinal Christoph Migazzi. 1829 vernichtete ein Brand den Dachstuhl und den Turm, dessen Barockhelm durch ein Pyramidendach ersetzt wurde.

Der Zahn der Zeit machte eine Generalsanierung des gesamten Bauwerkes notwendig: von 1978 bis 1981 wurden das Mauerwerk und der Turm mit einem Stahlkorsett umgeben und das Gewölbe mit einem Eisenbetonmantel gesichert. Sechs Jahre später begann die Pfarre mit der Innenrenovierung: Trockenlegung des Mauerwerkes, Erneuerung des Fußbodens mit Einbau einer Heizung, Restaurierung der Altäre, Anschaffung neuer Bänke, Generalsanierung der Orgel u. a. m.

Das Bauwerk

Die Kirche ist ein wuchtiger, schlichter Barockbau aus Ziegeln, von den Klosterleuten selber gebrannt. Er ist 42 Meter lang, 26 Meter breit und 45 Meter hoch (Turmspitze); die Mauern sind stellenweise über 5 Meter dick, der Innenraum ist 15 Meter hoch. Da die Pfarrkirche auch Klosterkirche war, führt ein Übergang vom Kloster ins nördliche Oratorium.

Die Westfront weist eine bescheiden Gliederung auf: je zwei Pilaster beiderseits des Portals und des großen Fensters, zwei Nischen mit den Sandsteinfiguren der Klosterpatrone, links der hl. Augustinus, rechts der hl. Ambrosius, darüber ein flacher Dreiecksgiebel und der massige Fassadenturm. Beiderseits des Altarraumes springen Beichtkammer (Norden) und Sakristei (Süden) etwas vor; über beiden Räumen befinden sich Oratorien.

Der Innenraum ist ein Rechteck mit vier Nischen für die Seitenaltäre und einer runden Apsis. Unter dem Altarraum befindet sich die Krypta, früher Beisetzugsstätte der Chorfrauen.

An den Wänden tragen mächtige Pilaster mit korinthischen Kapitellen ein breites Gesimse, das den Lichteinfall aufgrund der kleinen Fenster etwas beeinträchtigt.

Dezenter Rokokostuck ist an der Decke zu beachten: das Herz Jesu, das Herz Mariens sowie Medaillons mit Fresken des hl. Jakobus und des hl. Augustinus sind von einem Strahlenkranz umgeben.

Über der Tür der Beichtkammer ist das Wappen der Erbauerin der Kirche zu sehen mit den Buchstaben AIDST AK (Anna Jakobina De STeitz Administratorin des Konvents). Gegenüber, oberhalb der Sakristeitür, befindet sich das Wappen des Klosters (gekreuzte Pilgerstäbe, Muscheln und Rose) sowie die Jahreszahl MDCCLVI (1756).

(weitere Bilder sehen Sie im Menü „Kirchen“)

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Hier sehen Sie die Südseite der Pfarrkirche bei der Renovierung im Jahr 1978

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Die „Pestsäule“ am Hauptplatz

DIE WOLFGANGSKIRCHE

Näheres erfahren Sie unter: www.wolfgangskirche-kirchberg.at

 

DIE FRIEDHOFSKIRCHE

Die Friedhofskirche wurde etwa um 1600 vom Chorfrauenstift neben dem Armenspital (heute Wohnhaus) errichtet und wird heute auch als würdige Aufbahrungshalle genutzt. Das Altarbild von Führich symbolisiert Trost und Hilfe der Armen Seelen. Auf dem Seitenaltar ist der hl. Johannes der Täufer dargestellt.

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DER KALVARIENBERG

Der Kalvarienberg auf dem Hang nördlich der Kirche wurde nach dem Erlöschen der Pest 1913/14 errichtet. Es sind nicht die üblichen 14 Kreuzwegstationen, sondern Kapellen mit realistischen Darstellungen der Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes. Zu ihnen gehört noch die „Urlaubskapelle“ (Jesus nimmt Abschied von seiner Mutter) am Beginn sowie die Grabkapelle am Ende der Kalvarienbergandacht. In ihr befindet sich das Hl. Grab, von zwei martialischen Kriegern bewacht. An den Wänden hängen Fotos und Todesanzeigen der Gefallenen beider Weldkriege aus unserer Pfarre.

Die „Urlauberkapelle“ (Jesus nimmt Abschied von seiner Mutter)

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Jesus am Ölberg

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Geiselung Jesu

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Jesus wird mit Dornen gekrönt

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Jesus trägt das Kreuz

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Die Kreuzigung Jesu

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Die Grabkapelle
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SEMINARKIRCHE SACHSENBRUNN

Die Seminarkirche Sachsenbrunn wurde von Architekt Robert Kramreiter gebaut und 1963 geweiht. Ein monumentales Glasfenster von Lydia Roppolt nimmt den Großteil der Nordwand ein.

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DAS KLARAHEIM

Eine interessant gestaltete Hauskapelle befindet sich in dem 1983 von Architekt Dieter Schön erbauten Klaraheim der Franziskanerinnen von der Christlichen Liebe.

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KLOSTER DER DOMINIKANISCHEN GEMEINSCHAFT

Ach das Kloster der Dominikanischen Gemeinschaft im Gebäude des ehemaligen Chorfrauenstiftes hat eine moderne, schlicht und geschmackvoll eingerichtete Hauskapelle.

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(red)